Warum IT-Vergaben in kleinen Kommunen oft unnötig kompliziert werden

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IT-Vergaben gehören für viele kleine Kommunen inzwischen zum Verwaltungsalltag. Neue Fachverfahren, Cloud-Lösungen, Dokumentenmanagement, mobile Endgeräte oder Hosting-Leistungen müssen beschafft, bewertet und organisatorisch eingeordnet werden.

Gleichzeitig entsteht in der Praxis häufig eine schwierige Situation:

Die eigentliche technische Lösung wäre oft überschaubar – das Vergabeverfahren wird jedoch organisatorisch unnötig kompliziert.

Viele Probleme entstehen dabei nicht durch das Vergaberecht selbst, sondern durch unklare Anforderungen, fehlende Prioritäten und überladene Leistungsbeschreibungen.

1. Anforderungen wachsen im Verfahren immer weiter

Gerade bei IT-Projekten versuchen viele Verwaltungen, bereits zu Beginn möglichst alle denkbaren Anforderungen vollständig abzudecken:

  • alle zukünftigen Erweiterungen
  • jede denkbare Schnittstelle
  • sämtliche Sonderfälle
  • möglichst viele Zusatzfunktionen

Dadurch entstehen häufig sehr umfangreiche Leistungsverzeichnisse, obwohl der tatsächliche Kernbedarf deutlich kleiner wäre.

Problematisch wird dies insbesondere dann, wenn:

  • Anforderungen fachlich nicht priorisiert wurden
  • unklare Wünsche aufgenommen werden
  • organisatorische Prozesse noch gar nicht definiert sind
  • technische Begriffe unklar verwendet werden

Das Ergebnis sind oft komplexe Verfahren mit langen Abstimmungsrunden und schwer vergleichbaren Angeboten.

Praktischer Gegenvorschlag: Zunächst den tatsächlichen Mindestbedarf definieren – nicht alle theoretisch denkbaren Möglichkeiten.

2. Digitalisierung wird als vollständige „Endlösung“ geplant

Viele Kommunen möchten verständlicherweise vermeiden, kurze Zeit später erneut Projekte starten zu müssen. Dadurch entsteht häufig der Wunsch nach möglichst umfassenden Gesamtlösungen.

Gerade im IT-Bereich führt dies jedoch oft zu Problemen:

  • lange Projektlaufzeiten
  • hohe Anfangskomplexität
  • umfangreiche Abstimmungsbedarfe
  • unklare Prioritäten
  • steigende Kosten

Gleichzeitig verändern sich technische und organisatorische Anforderungen häufig schneller als ursprünglich angenommen.

Praktischer Gegenvorschlag: Größere Vorhaben in kleinere, organisatorisch beherrschbare Schritte aufteilen.

3. Fachliche und technische Anforderungen werden vermischt

Ein typisches Problem vieler IT-Vergaben besteht darin, dass fachliche Ziele und technische Lösungswege gleichzeitig beschrieben werden.

Beispielsweise wird nicht nur formuliert:

„Der Prozess soll digital nachvollziehbar werden.“

Sondern zusätzlich bereits technisch vorgegeben:

  • welche Systeme genutzt werden sollen
  • welche Oberflächen vorgesehen sind
  • wie bestimmte Abläufe technisch umzusetzen sind

Dadurch werden mögliche Lösungswege häufig unnötig eingeschränkt.

Praktischer Gegenvorschlag: Zuerst das organisatorische Ziel definieren – nicht sofort die technische Detailumsetzung.

4. Marktkenntnis fehlt häufig vollständig

Gerade kleinere Kommunen führen viele IT-Vergaben nur selten durch. Dadurch fehlt oft ein realistischer Überblick:

  • welche Lösungen marktüblich sind
  • welche Anforderungen realistisch umsetzbar sind
  • welche Kostenordnungen üblich sind
  • welche organisatorischen Folgen entstehen

In solchen Situationen entstehen häufig entweder unrealistisch hohe Erwartungen oder unnötig komplizierte Anforderungen.

Besonders problematisch wird dies, wenn technische Detailanforderungen übernommen werden, ohne deren praktische Auswirkungen einordnen zu können.

Praktischer Gegenvorschlag: Vor Vergabeverfahren zunächst organisatorische und fachliche Grundsatzfragen klären.

5. Projekte werden technisch statt organisatorisch gesteuert

Viele IT-Vergaben konzentrieren sich stark auf Funktionen und technische Leistungsmerkmale. Gleichzeitig werden organisatorische Fragen häufig unterschätzt:

  • Wer betreut das System später?
  • Wie laufen Vertretungen?
  • Wer pflegt Benutzer und Rechte?
  • Wie funktionieren Schulungen?
  • Wie werden Änderungen organisiert?

Dadurch entstehen Systeme, die technisch funktionieren – organisatorisch jedoch dauerhaft hohe Aufwände erzeugen.

Praktischer Gegenvorschlag: Bereits vor der Vergabe den späteren Verwaltungsalltag mitdenken.

Ein pragmatischer Ansatz: Kleine, klare und nachvollziehbare Verfahren

Gute IT-Vergaben zeichnen sich selten durch maximale Komplexität aus. Erfolgreiche Projekte beginnen häufig mit klaren organisatorischen Zielen und realistischen Anforderungen.

In der Praxis haben sich insbesondere folgende Punkte bewährt:

  • klare Priorisierung der Anforderungen
  • organisatorische Prozessbetrachtung vor Technik
  • kleinere und beherrschbare Projektgrößen
  • realistische Zeit- und Ressourcenplanung
  • frühzeitige Einbindung der Fachbereiche

Ziel sollte nicht das umfangreichste Leistungsverzeichnis sein, sondern ein Verfahren, das organisatorisch und technisch sinnvoll umsetzbar bleibt.

Fazit

Viele Probleme kommunaler IT-Vergaben entstehen nicht durch das Vergaberecht selbst. Häufig sind unklare Ziele, überladene Anforderungen und fehlende organisatorische Vorbereitung die eigentlichen Ursachen.

Gute Vergaben beginnen deshalb nicht mit möglichst vielen technischen Details, sondern mit einer einfachen Frage:

„Welches konkrete organisatorische Problem soll eigentlich gelöst werden?“

Wird diese Frage sauber beantwortet, entstehen meist deutlich pragmatischere, verständlichere und langfristig erfolgreichere IT-Projekte.

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